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Wissenschaftliche Erkenntnisse

Der Säugling - ein Tragling

Bis vor kurzem, und teilweise auch heute, galt der Säugling allgemein als ein unselbständiges, mit wenigen Fähigkeiten ausgestattetes Wesen, das hauptsächlich essend und schlafend die Zeit verbringen muss, um so zu einem zur Kommunikation fähigen Menschenkind heranzuwachsen.

Ein Säugling, dessen körperliche Bedürfnisse gestillt sind und der zum Schlafen in einen separaten, geräuscharmen Raum niedergelegt wurde, ist keineswegs zufrieden. Auch ein gerade aufwachender Säugling beginnt meist zu weinen, falls er, nachdem er sich durch einen kurzen Laut bemerkbar gemacht hat, keinerlei Anwesenheitsbestätigungen von den Eltern erhält (Morath, 1977).

Das Verlangen nach Anwesenheit oder nur Anwesenheitsbestätigung der Betreuungsperson erfolgt häufiger, als es den Eltern rational verständlich ist; denn nichts Beunruhigendes scheint den Säugling zu umgeben. Die Ruhe und das Alleinsein, für einen Nesthocker etwas Normales und keineswegs Ängstigendes, beunruhigen ihn jedoch.

Der Säugling ist nicht von Natur aus ein Nesthocker, wie die Vorstellungen Portmanns (1944/69) es nahelegen, sondern er wurde zu einem "kulturellen" Nesthocker gemacht (Peiper, 1950, 1955, 1961). Der menschliche Säugling zeigt verhaltensbiologisch auch heute noch seine Zugehörigkeit zum Jungentypus Tragling. Dies geht aus seinem Bedürfnis nach Anwesenheit der Betreuungsperson hervor. Der tiefe Schlaf des Säuglings auch beim heftigsten Bewegtwerden und selbst bei geräuschvoller Umgebung beweist die beruhigende Wirkung von Lageveränderungen, da diese die Anwesenheit der Betreuungsperson signalisieren. Hierin liegt eine für einen Tragling verständliche Verhaltensdisposition, dessen Überleben in stammesgeschichtlicher Vergangenheit von der Gegenwart der Mutter abhängig war.